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I. Symphonie

Von der Einheit zum Ich

1. Satz

Einheit

 

 

 

 

Die Zahl Eins
Kreis- Kugel
Einheit
Stille
Licht
Nicht-Nichts
Weder-Noch
Einfalt
Geöffnetes Sein
Mythos des Paradieses
Augenblick der Geburt
Das Ewige in Werden

 

In der Einheit spiegelt sich das Bedingungslose im Erfahrbaren wider. Doch die Einheit ist stets gefährdet, nicht zu fassen. Sie war schon verloren, als sie im Anfang ins Sein geworfen worden war. Im ersten Augenblick wurde aus der Einfalt, die weder ist noch nicht ist, das „Nicht – Nichts“. Das Ewige wird, wird im Etwas.

Von da an sucht das Verlorene das Vollkommene, das sich lückenlos Ergänzende, das alle Grenzen Sprengende, das sich bedingungslos Erfüllende, wiederzufinden. Es wird das Sein gesucht, das den Raum und die Zeit nicht mehr zu beachten braucht. Die Symbole der Einheit sind die Zahl Eins, der Kreis, die Kugel. Wir wissen nicht den Anfang und das Ende des Kreises, doch wo wir den Weg auch beginnen, er führt uns immer zum Anfang zurück. Anfang und Ende sind verbunden im Kreis. Unendlich viele Kreisschalen finden in der gleichen Mitte ihren Halt. Und ist eine Kugel nur unendlich groß, so ist jeder ihrer Raumpunkte zugleich allgegenwärtiger Mittelpunkt. Die Einheit des ersten Seins bildet, mit dem Ursprung vor allem Sein, die erste entfaltete Gestalt.

Wo können wir diese Gestalt der Einheit in unserem Dasein entdecken? Wo ist diese Einfalt, diese so vollkommene Form, durchlässig zu uns hin? Wo zeigt sich der Abglanz des Lichts aus dem Urgrund? Wann können wir hinein hören in die Stille des Einen? Wie können wir durchlässig werden für das Geheimnis der Einheit?

Wie die Einheit verschwindet, wenn ich sie zu fassen versuche, so verliert sich auch die Zeit zwischen dem „Nicht – Mehr“ und dem „Noch – Nicht“. Aber im geglückten Augenblick ist die Einheit vor dem Anfang zu erahnen. Dann scheint der Mythos des Paradieses auf, dann sind wir mehr als nur Erinnerung und mehr als nur Hoffnung.

In der Stille zwischen den Tönen, in der Leere zwischen den Formen, in den Träumen zwischen dem Wachen, kann die Durchlässigkeit der Grenze erfahrbar werden. Gelänge es das Dazwischen zuzulassen, sich in das Dazwischen fallen zu lassen, die Grenzen zur Einheit öffneten sich und uns könnte geschenkt werden, was längst verloren geglaubt. Erkennbar ist für uns, dass alles im Sein mit Allem verbunden ist, dass im Geflecht des Seins bereits geringste Veränderungen die Richtung im Ganzen beeinflussen, dass die Wirklichkeit offen ist für unendliche Möglichkeiten. Auch wenn uns Maß und Ziel des Ganzen noch verschlossen bleiben, so zeigt uns diese werdende Gestalt der immerwährenden Einheit bereits Wegmarken, die unsere Gestaltwerdung beeinflussen. Die Gestalt der Einheit ist im Werden.

 

 

Visionär der Einheit – Teilhard de Chardin

Teilhard de Chardin (1881-1955) ist ein Visionär der Einheit, der Einheit des Universums von seinem Anfang an bis zu seinem Ende, der Einheit des Einzelnen mit dem Ganzen, der Einheit von Materie und Geist, der Einheit von Wissenschaft und Glauben, der Einheit des immanenten Weltgeschehens mit dem transzendenten Gott. Die Einheit ist aber immer ein evolutiver Prozess, ist Dynamik und Aufgabe.

Wenn mit dem Menschen Geist, Selbstbewusstsein, reflektierendes Denken, Freiheit auftreten konnten, dann müssen - so Teilhard- diese Phänomene dem Evolutionsgeschehen von Anfang an, wenn auch in noch so rudimentärer Form, inngewohnt haben. In den Beziehungen und Bewegungen der Elemente entstanden und entstehen weiterhin immer komplexere Gestalten bis hin zum Menschen (und darüber hinaus?). „Im Bereich unserer Beobachtung repräsentiert der reflektierende Mensch den erhabensten elementaren Zielpunkt dieser Bewegung der Anordnung“ (Teilhard de Chardin, Die menschliche Energie, S. 338)

Karl Rahner (1904-1984) bezieht sich in seinem Essay „Christologie innerhalb einer evolutiven Weltanschauung“ auf Teilhard de Chardin. Auch er spricht der Materie eine „aktive Selbsttranszendenz“ zu aus der „Kraft der absoluten Seinsfülle“, d.h. Gottes, die als „Wesensselbsttranszendenz“ die Entwicklung über die Stufen „Materie, Leben, Bewusstsein, Geist“ einschließe.


 Weiteres zu Teilhard de Chardin :
theodor-frey.de/teilhardverzeichnis.htm

 

 

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