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Gerechtigkeit und Frieden

»Gerechtigkeit schafft Frieden« Jesaja

 

 »Es begegnen einander Huld und Treue, Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.«

Psalm (85, 9-11)

Aber dieses Land existiert leider  nicht. Nur allzuoft wurde im Namen des Friedens die Gerechtigkeit verraten, und umgekehrt.

"Kriege wurden als »gerechte« Kriege deklariert, wiewohl sie offenkundiges Unrecht waren. Und in wie vielen der sogenannten »Friedensverträge« wurde die Gerechtigkeit mit Füßen getreten, da allein die Macht und die Laune des Siegers darin zur Geltung kamen, womit dann nur der Keim zu neuen Kriegen gelegt war."

"Darf man hoffen, daß es eines Tages doch gelingen wird, Gerechtigkeit und Frieden zu vereinen?  . . . Es ist keineswegs gesagt, daß schon alles gutgehen wird. In der Geschichte der Menschheit ist sehr viel Schlimmes eingetreten, das man noch kurz davor für wenig wahrscheinlich gehalten hatte; . . . In unserer heutigen Situation [1986] können wir ganz und gar nicht davon ausgehen, daß das vorhandene riesige Arsenal an nuklearen Waffen nicht zum Einsatz komme. Wer das annimmt, ist ein Träumer, und noch dazu ein gefährlicher Träumer. Dabei ist es heute so, daß man einen großen Fehler nur einmal machen kann. Man wird ihn nicht mehr revidieren können."

Arthur Kaufmann - 1986 - Gerechtigkeit - Der vergessene Weg zum Frieden


 »Der Friede besteht nicht darin, daß kein Krieg ist; er läßt sich auch nicht bloß durch das Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte sichern ...; er ist die Frucht einer Ordnung ...‚ die von den Menschen durch stetes Streben nach immer vollkommenerer Gerechtigkeit verwirklicht werden muß . . .; darum ist der Friede niemals endgültiger Besitz, sondern immer neu zu erfüllende Aufgabe«.

Gaudium et Spes, Nr. 78


WAS DU NICHT WILLST , WAS MAN DIR TU, DAS FÜG AUCH KEINEM ANDERN ZU !


 

GERECHTIGKEIT

 

 

 

Dem Anderen geben oder vorenthalten, was "sein" ist.

Wer aber sollte »der Andere« sein?

Der Andere kann verstanden werden "als die Gemeinschaft, das »soziale Ganze«. Zweifellos habe ich es nicht bloß dann mit dem Gemeinwohl zu tun, wenn ich staatliche Gesetze befolge oder verletze, wenn ich Steuern zahle oder zur Wahlurne gehe; das Gemeinwohl ist gleichfalls im Spiel, wenn ich, anscheinend ganz »privat«, zuchtlos bin oder träge. Das Gemeinwohl bedarf des Gutseins aller Einzelnen. »Das Gut jeder Tugend ist beziehbar auf das Gemeinwohl, welchem die Gerechtigkeit zugeordnet ist. Und demgemäß können die Akte aller Tugenden zur Gerechtigkeit gehören.« Umgekehrt können alle Verfehlungen in bestimmtem Sinn »Ungerechtigkeit« heißen."

"Thomas [von Aquin] spricht von der »gesetzlichen« oder auch »allgemeinen« Gerechtigkeit, in der »alle Tugend einbegriffen« und die selber »die vollkommenste Tugend« sei«. Auf sie ist das dichterische Wort der Nikomachischen Ethik [Airistoteles] gemünzt, »nicht der Abendstern noch der Morgenstern sei so wunderbar« wie Gerechtigkeit.

"Wer immer das Gute oder das Böse tut, steht Gott als einem »Partner« gegenüber, dem er das Geschuldete leistet oder vorenthält. »Es gehört zur allgemeinen Gerechtigkeit [iustitia generalis], das Gute zu tun, das geschuldet ist im Verhältnis zur Gemeinschaft oder zu Gott.« Indem der Mensch Gebote befolgt oder übertritt, hat er es nicht mit »objektiven Gesetzlichkeiten« zu tun, sondern mit einem personalen Gesetzgeber, mit »jemand anders«."

"Die Verwirklichung der Gerechtigkeit geschieht vornehmlich in einem äußeren Tun; . . . Dagegen ist im Bereich der Tapferkeit und der temperantia vor allem die innere Verfassung des Menschen zu bedenken, erst an zweiter Stelle sein äußeres Tun. Ich kann es dem, was der Mensch tatsächlich tut, nicht einfachhin ansehen, ob er hierin tapfer, feige, maßvoll, zuchtlos ist; dazu müßte ich den Anderen genau kennen, ich müßte wissen, wie ihm zumute ist. Dagegen kann die Gerechtigkeit eines Tuns auch von außen her, durch einen unbeteiligten Dritten, erkannt werden. Wieviel Wein ich trinken darf , ohne die temperantia zu verletzen - das vermöchte ein Fremder kaum zu sagen. Dagegen läßt sich von jedermann sehr leicht "objektiv" feststellen, wieviel ich dem Wirte schuldig bin."

Josef Pieper -Das Viergespann - S. 87 ff.