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DAS RICHTIGE MAß

TEMPERANTIA

BESONNENHEIT

 

Dargestellt mit Sanduhr, wie sie Wein mit Wasser mischt,

.reitet oft auf einem Löwen, Kamel oder Elefanten

 

In personifizierter Form wird die Temperantia als Frauenfigur mit einer * Sanduhr als Attribut wiedergegeben. Häufig dargestellt findet man Temperantia am * Spiegel von Zinnschüsseln, den so genannten "Temperantiaschüsseln"In personifizierter Form wird die Temperantia als Frauenfigur mit einer * Sanduhr als Attribut wiedergegeben. Häufig dargestellt findet man Temperantia am * Spiegel von Zinnschüsseln, den so genannten "Temperantiaschüsseln"

 

 

 

 Das "Gute Leben" nach Aristoteles und das

zu findende Maß

 

„Die Tugend ist also ein Verhalten (eine Haltung) der Entscheidung,
begründet in der Mitte in Bezug auf uns,
einer Mitte, die durch Vernunft bestimmt wird
und danach, wie sie der Verständige bestimmen würde.“

Aristoteles: Nikomachische Ethik -1106b36–1107a2

 

"Das erste Prinzip von Aristoteles' moralischen Überlegungen lautet, dass der Mensch . . . ein Telos hat, einen Zustand der Erfüllung oder Vollendung. . . . Das Leben kennt kein anderes Ziel als seine eigene Vervollkommnung; diese Vervollkommnung irgendeinem entfernten Ziel zu opfern - der Revolution oder, sagen wir, dem Erfolg der Konzernmarke -‚ wäre töricht oder schlimmer. Doch das ist beileibe kein Freibrief für Nachgiebigkeit gegen sich selbst. . . . Das gute Leben ist nicht einfach eines der erfüllten Begierden, es beschreibt vielmehr das angemessene Ziel des Begehrens. Das Streben muss kultiviert, auf das wahrhaft Begehrenswerte ausgerichtet werden. Sittliche Erziehung heißt Erziehung der Gefühle."

"Ein gutes Leben, argumentiert Aristoteles, verlangt nicht nur die unterschiedlichen Vorzüge des Charakters und Verstands (Mut, Mäßigung, Großzügigkeit und Weisheit neben anderen), sondern setzt auch die zu ihrer Verwirklichung erforderlichen »äußeren Mittel« voraus: »Denn ohne das Notwendige ist sowohl das Leben unmöglich als auch das gute Leben.« Dabei denkt Aristoteles an Dinge wie Land für den Ackerbau, Sklaven zu seiner Bestellung, Unterkunft, Kleidung, Möbel und so weiter - an Dinge also, die notwendig sind, weil wir sie in einer bestimmten Weise gebrauchen, sprich an den »Gebrauchswert« der Dinge, wie die Marxisten sagen. In welcher Art und Menge genau diese Gebrauchswerte erforderlich sind, hängt von der Art Leben ab, das unterstützt werden will."

Robert & Edward Skidelsky - Wie viel ist genug? - S. 104 f.

 

Das Maß der Mitte

 

Bei  Aristoteles ist die σωφροσύνη (Besonnenheit/Mäßigung) die Mitte (Mesotes) - ein Optimum - hinsichtlich der Lust: sie steht zwischen Empfindungslosigkeit (Stumpfheit) und Zügellosigkeit (Zuchtlosigkeit). Das Mitte-Halten ist hier das Ziel ethischen Verhaltens.

 

 


Temperantia aus der Reihe «Die sieben Tugenden» 1561/1562, Ausschnitt
von Pieter Brueghel dem Älteren, um 1525/1530 - 1569 
Temperantia aus der Reihe «Die sieben Tugenden» 1561/1562, Ausschnitt von Pieter Brueghel dem Älteren, um 1525/1530 - 1569


Aus dem Bayerisches NationalmuseumAus dem Bayerisches Nationalmuseum