Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.
 
 

 

 

 

"In Europa leben Christen ganz unterschiedlicher Konfession, Juden, Muslime und Menschen anderen Glaubens. Und eine wachsende Zahl von Menschen hat gar keinen Bezug mehr zum Glauben. Aber wir alle haben unseren Beitrag zu leisten zum Entstehen einer europäischen Demokratie und einer europäischen Zivilgesellschaft. Und ich glaube, dass wir Christinnen und Christen dazu ein paar besondere Dinge beitragen können. Zum Beispiel den Universalismus, der unserer Religion zugrunde liegt. Dass eben der Gott der Bibel allen Menschen gegenüber offen steht und nicht nur den Menschen einer Nation. Dieser Universalismus könnte uns in Europa eine Wegleitung sein. Und was auch helfen kann, eine Grundlage für europäisches Mitgefühl zu schaffen. Das brauchen wir in Europa dringend."

Sven Giegold im Interview mit Deutscher Welle - 8.5.2018

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

EUROPAWAHLPROGRAMM DER GRÜNEN - PRÄAMBEL

Kapitel 1: Erhalten, was uns erhält – unsere natürlichen Lebensgrundlagen schützen

Wir machen die Europäische Union zum weltweiten Vorreiter für Klimaschutz, Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Unser Kontinent hat gerade hier noch enorme Potenziale, die bislang weitgehend brachliegen. Durch saubere Energiegewinnung werden wir unabhängig von Kohle, Öl und Gas, schützen Klima und Umwelt und schaffen nachhaltige Jobs.

Kapitel 2: Stärken, was uns zusammenhält: Die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion vertiefen

Wir wollen, dass es in Europa fair und gerecht zugeht. Die Europäische Union hat zwar den Wohlstand auf dem Kontinent vergrößert, aber die Lebensverhältnisse zwischen den Mitgliedstaaten und innerhalb der Länder klaffen auseinander. Wir kämpfen für Wohlstand und Gerechtigkeit für alle. Wir wollen ein Europa, das in die Zukunft seiner Bürgerinnen und Bürger investiert – und die Investitionen durch gemeinsame Steuern solidarisch und gerecht finanzieren.

Kapitel 3: Sichern, was uns ausmacht: Freiheit, Demokratie und Menschenrechte verteidigen

Wir verteidigen Europas Werte: Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte. Wenn nationale Regierungen Rechte von Andersdenkenden mit Füßen treten und die Unabhängigkeit von Justiz oder Medien in Frage stellen, stärken wir gezielt die demokratischen Kräfte in den betroffenen Mitgliedstaaten. Hasskommentare im Internet wollen wir EU-weit unter Strafe stellen. Damit das Sterben auf dem Mittelmeer ein Ende findet, schaffen wir legale Fluchtwege und beschließen ein Einwanderungsgesetz.

Kapitel 4: Garantieren, was uns alle schützt: Frieden und Sicherheit fördern

Frieden, Menschenrechte und das Völkerrecht sind für uns die Maßstäbe europäischer Außenpolitik. Die EU muss sich angesichts einer internationalen Staatenordnung, die sich im Umbruch befindet, neu beweisen. Es kommt jetzt mehr denn je auf eine einheitliche und klar friedensorientierte europäische Außenpolitik an. Dafür muss die EU ihr politisches und diplomatisches Gewicht in die Waagschale werfen und so Frieden und Sicherheit in ihrer Nachbarschaft ermöglichen.

Kapitel 5: Voranbringen, was uns voranbringt: Innovation, Bildung und Kultur

Der wissenschaftliche und technische Fortschritt greift immer tiefer in unsere Leben ein. Diese Veränderungen wollen wir entlang der europäischen Werte gestalten. Das bedeutet, die digitale Welt mit Regeln zu zivilisieren und gleichzeitig die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. So wollen wir ein Forschungsprogramm auflegen, das neue Ideen und Zukunftstechnologien schneller zur Marktreife führt und den Technologietransfer in die Praxis beschleunigt. Wir wollen ein Recht auf Weiterbildung und lebenslanges Lernen EU-weit verankern. Das Erasmus-Programm bauen wir aus, damit Europa für mehr junge Menschen erlebbar wird – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und der Schule, die sie besuchen.

Kapitel 6: Ermöglichen, was vor Ort am besten gelingt: Europa der Regionen und Kommunen

Wir wollen, dass so viele Entscheidungen wie möglich auf kommunaler Ebene getroffen werden. Aber dort, wo Kommunen an ihre Grenzen stoßen, soll Europa sie unterstützen. Dazu gehört auch, den Kommunen einen einfachen, direkten Zugang zu EU-Fördermitteln zu geben.

Der europäische Binnenmarkt ist eine wichtige Errungenschaft, aber die Umsetzung seiner Wettbewerbsregeln darf nicht dazu führen, dass Kommunen zum Beispiel zur Privatisierung der öffentlichen Güter gezwungen werden. Wir wollen die Selbstbestimmung der Regionen und Kommunen über ihre Kultur und die lokale Infrastruktur erhalten.

 

   

 

 
MOHNBLUMEN AM 11.11.2018 AUF DEM MÜNCHNER KÖNIGSPLATZ

 

"Dieser Krieg (1914 - 1918) ist eine Narretei und widerlich obendrein ..."

 

Die beiden gefallenen Dichterfreunde Ernst Stadler (*1883 in Colmar, Elsass - † 30.10. 1914) und der Straßburger Germanist  Charles Péguy (* 1873 - †  5.9.1914 bei Villeroy), der von Stadler übersetzte französische Lyriker, haben sich . . . in den feindlichen Schützengräben unmittelbar gegenüber gelegen. Ja, die beiden befreundeten Feinde haben sich erkannt und auf Zetteln ihre Gedanken ausgetauscht

Im Sommer 1914 wurde Stadler von der Universität Toronto eine Professur angeboten. Wenige Wochen später zerreißt ihn eine englische Granate bei Ypern. Sein Leben war auf ein geistiges Mittlertum hin entworfen. Es gab für Stadler keine konfessionellen, keine nationalen oder üblichen sprachlichen Grenzen.

In seiner Rede vor dem Bundestag hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ein Gedicht des im Ersten Weltkrieg gestorbenen Dichters Ernst Stadler auf Deutsch vorgetragen.

Auszug aus der Sammlung „Der Aufbruch“(1914), den Macron zitierte:

Ernst StadlerErnst Stadler

 

 

 

 

Vielleicht würden uns am Abend Siegesmärsche umstreichen,

 

Vielleicht lägen wir irgendwo ausgestreckt unter Leichen.

Aber vor dem Erraffen und vor dem Versinken

Würden unsre Augen sich an Welt und Sonne satt und glühend trinken.

 

 

 


Und hier noch ein wunderbarer Text von Charles Péguy:

Dies ist das Geheimnis der Freiheit des Menschen, spricht Gott,

Und meiner Lenkung ihm gegenüber und seiner Freiheit.

Wenn ich ihn allzusehr stütze, so bleibt er nicht frei.

Und wenn ich ihn nicht genug stütze, so fällt er

Und ich gefährde sein Heil.

Zwei Güter, sozusagen fast gleichmäßig kostbar.

Dieses Heil hat einen unendlichen Preis.

Doch was ist ein Heil, das nicht frei wäre?

Wir wollen, daß dieses Heil durch ihn selber gewonnen wird.

Durch ihn selber, den Menschen.

Daß es gewissermaßen von ihm kommt.

Weil ich ja selber frei bin, spricht Gott, und weil ich den Menschen

erschaffen habe nach meinem Bilde und Gleichnis.

Meine Macht leuchtet genug aus den Sandkörnern des Meeres

und aus den Sternen des Himmels.

Doch in meiner beseelten Schöpfung, spricht Gott,

wollte ich Besseres, wollte unendlich viel mehr.

Denn ich wollte ja diese Freiheit.

Ich schuf diese Freiheit sogar.

Es ist gewiß meine größte Erfindung.

Wenn man das einmal gekostet hat,

In Freiheit geliebt zu werden,

Ist alles andere nur Unterwürfigkeit.

Und alle Unterwürfigkeit auf der Welt reicht nicht heran

An den Blick eines freien Menschen.

Für diese Freiheit, diese Freiwilligkeit habe ich alles gegeben, spricht Gott,

Für diese Freude daran, von freien Menschen geliebt zu werden,

Aus freien Stücken,

Wahrhaft von Menschen, gereift, zärtlich und fest.

Um diese Freiheit, diese Freiwilligkeit zu erlangen, habe ich alles geopfert.

Um die Menschen die Freiheit zu lehren.

 

Charles Pierre Péguy. -Auszug aus: Das Mysterium der unschuldigen Kinder, Wien 1958

 

 

ZUM SEITENANFANG